50 JAHRE„MUSIK HANS“ So stellt man sich ein schmuckes, historisches Ladenlokal vor: rote Holz-Schaufenster mit geteilten Oberlichtern, drei Stufen in der Mitte führen zur passenden Jugendstil- tür. Davor sind auf Klapp- stühlen allerlei Flöten, Zimbeln und Rasseln ausgestellt. Drinnen geht es weiter: An den Wänden hängen die Gitarren, davor reihen sich Trommeln auf. In den Regalen Donner- Rohr, Bodhrán-Schlägel, irische Flöten und exoti- sche Rhythmusinstrumen- te mit klingenden Namen wie Thelevi, Agogo oder Kokiriko. Seit 50 Jahren führt Inhaber Hans Peter sein Musikgeschäft, das in der Lutherstraße zu finden ist. Hans Peter, gebürtiger Bockum-Höveler, hatte im Schwarzwald als Fernsehelektroniker gearbeitet, bevor er den Entschluss fasste, einen Musikladen zu eröffnen. „Mein Bruder spielte in einer Band, das fand ich toll.“ So be- schreibt er seine Motivation. Er- fahrungen als Einzelhändler oder Profimusiker hatte er nicht. „Ich hatte Lust darauf und finde es normal, im Leben das zu tun, was man wirklich will. Und dann habe ich es ein- fach gemacht. Das sollten viel mehr Menschen wagen.“ 1975 meldete er ein Gewerbe an und suchte zunächst in Bo- 12 12 stemmen“, sagt Hans Peter. „Im- mer mehr Leute gewöhnten sich an Bestellungen im Internet.“ Meistens ist Hans Peter selbst im Laden anzutreffen, manch- mal unterstützt ihn Guido Ry- borsch, der im Hammer Westen seit über 20 Jahren eine Gitar- renschule betreibt. Hans Peter legt großen Wert auf eine individuelle Beratung und eine sorgfältige Qualitäts- prüfung. „Wir spielen jedes Ins- trument, bevor es in den Verkauf geht“, erläutert er. „Ein Herstel- ler hat uns irgendwann nicht mehr beliefert, weil wir zu viele Reklamationen hatten.“ Für ihn ist das Teil der Verantwortung: dem Kunden kein Produkt zu überlassen, das seinen Ansprü- chen nicht genügt. GEGENENTWURF Instrumente muss man anfas- sen und ausprobieren können – davon ist Jörn Pünt überzeugt. Der Drensteinfurter hatte von „Musik Hans“ gehört und schau- te spontan vorbei. Im Neben- raum konnte er in aller Ruhe eine westafrikanische Djembé- Trommel ausprobieren, ver- schiedene Klänge testen, ein Ge- fühl für das Instrument be- kommen. „Daher müssen solche Läden unbedingt erhalten blei- ben.“ Über die Jahre ist der Laden weit mehr geworden als eine Verkaufsstelle für Instrumente und Zubehör. Viele Musiker- freundschaften sind hier ent- standen, Kontakte geknüpft, Projekte geplant worden. Der Laden ist auch ein Zuhause für ein lebendiges, lokales Netz- werk und ein Gegenentwurf zu schnellen Geschäften mit aus- tauschbaren Massenprodukten. I ckum-Hövel nach einem geeig- neten Laden. Weil er dort kein Lokal fand, eröffnete er einen ersten Laden unter dem Namen „Music House“ im Zentrum, in der historischen Häuserzeile der Südstraße. 1979 zog er in das Nachbarhaus um. Hans Peters Laden wurde zur Anlaufstelle für Musiker – vor allem für jene aus der Folk- und Rockszene. Renovierung an historischen Fotos. Er rekonstruierte die Schaufenster mit den geteilten Oberlichtern, fand die Stufen des ursprünglichen Eingangs noch hinter einer Verkleidung. Die heutige Tür stammt aus dem ersten Laden und lagerte drei Jahrzehnte auf dem Spei- cher. Heute wirkt die Fassade wie aus einem Guss. NUR MIT QUALITÄTSPRÜFUNG Seit 50 Jahren kann sich Hans Peter am Markt behaupten. Leicht war das nicht. „Existen- zielle Probleme gab es immer wieder“, sagt er. Märkte und Festivals waren oft ein wesent- liches Zubrot – insbesondere große Folk-Festivals. In der Co- rona-Zeit wurden die Öffnungs- zeiten auf die Nachmittage ein- geschränkt und danach auch nicht wieder ausgeweitet. „Das kann ich personell nicht mehr VERSCHÖNERUNGEN FÜRS STADTBILD „Das Gebäude war das schäbigs- te in der ganzen Straße“, erin- nert sich Hans Peter. Gemein- sam mit dem Musiker und Maler Jürgen Mevis machte er sich an die Verschönerung. Für 50 Mark kauften sie Farbe, bauten ein wackliges Gerüst, bemalten die Fassade nach einem alten Foto, imitierten sogar den einstigen Stuck. Die Nachbarn folgten dem Beispiel, die historische Häuserzeile gewann wieder an Ausstrahlung. Jahre später setzte sich eine Initiative erfolgreich für den Erhalt der Fassaden ein. 2008 folgte der Umzug in die eigene Immobilie in der Luther- straße, nun unter dem Namen „Musik Hans“. Auch hier orien- tierte sich Hans Peter bei der