„Ich hatte viele Brüche in meinem Leben, aber auch viel Glück. Und ich bin so großgezogen worden, dass man auch mal etwas zurückgibt.“ Julia Vedder Bezirksbürgermeisterin von Uentrop wöhnliches Modell: „Uentrop plus“, eine offene Zusammen- arbeit der demokratischen Kräft e jenseits fester Koalitio- nen. Vedder steht damit nicht nur für einen personellen, son- dern auch für einen politischen Neustart. Auch das im Bau befindliche Sportband, neue Freizeitfl ächen und die Anbindung an den R1-Radweg sollen Uentrop auf- werten – generationenüber- greifend, off en, zugänglich. Es sind Projekte, die das Leben vor Ort spürbar verändern sollen. Es geht ihr aber auch um handfeste wirtschaft liche Fra- gen: Das große Gewerbegebiet, die Nähe zu RWE und Trianel, das riesige Rechenzentrum, das direkt hinter der Stadtgrenze entstehen wird. Arbeitsplätze der Zukunft sollen in Uentrop entstehen. Eine gute Verkehrs- anbindung ist Vedder wichtig. „Es muss funktionieren“, sagt sie. Wer zur Arbeit fährt, soll nicht zwingend auf das Auto angewiesen sein. Infrastruktur, so nüchtern das klingt, ist für sie ein zentrales Th ema. AUSGLEICH DER INTERESSEN SCHAFFEN Die größte Herausforderung aber liegt aus ihrer Sicht woan- ders: im Ausgleich der Interes- sen. „Es gibt kein richtig oder DIE KLEINEN DINGE ZÄHLEN Der Alltag im Amt hat sie über- rascht – weniger durch große Veränderungen in ihrem Leben als durch die vielen kleinen Anliegen, die sie erreichen. „Ich hätte nicht gedacht, wie viele Leute mit ganz konkreten Din- gen zu mir kommen“, sagt sie. Oft gehe es ums Parken. Um Bordsteine, Schilder, Nachbar- schaft sfragen. Kommunalpoli- tik, das wird ihr schnell deut- lich, beginnt nicht bei großen Visionen, sondern im Detail. Gleichzeitig eröff net ihr das Amt neue Perspektiven. „Es ist ein riesiges Privileg“, sagt sie, „so viele Einblicke zu bekommen.“ Uentrop, dieser Bezirk zwischen Stadt und Land, zeigt sich ihr noch einmal neu: Werries, Braam, Ostwennemar eher städ- tisch geprägt, das Dorf Uentrop und die kleineren Ortsteile deut- lich ländlicher. Dazwischen der Maximilianpark, Herzstück und Identitätsort zugleich. DIE „NEUE MITTE“ IM BLICK Hier bündeln sich viele ihrer politischen Ziele. Die „Neue Mitte“ rund um den Park soll zu einem echten Treff punkt wer- den. Ein Ort der Begegnung, der dem Bezirk bislang fehlt, fi ndet Vedder. falsch“, sagt sie. „Der eine hat diesen Wunsch, der nächste einen ganz anderen.“ Politik be- deutet für sie, daraus einen trag- fähigen Kompromiss zu formen – ohne den Anspruch, es allen recht machen zu können, aber mit dem Ziel, möglichst viele mitzunehmen. Dabei hilft ihr eine Eigen- schaft , die sie selbst als zentral beschreibt: mit unterschiedli- chen Menschen zurechtzukom- men. „Ich mag große Heraus- forderungen, unbekannte Dinge und Menschen“, sagt sie. Viel- leicht ist es genau diese Off en- heit, die ihr den Einstieg erleich- tert hat – die die Hemmsch- welle für viele Bürger senkt. Ved- der will frischen Wind rein- bringen und ansprechbar sein, gerade für diejenigen, die bis- lang keinen Zugang zur Politik hatten. Dass sie als erste Frau im Amt auch eine symbolische Rolle einnimmt, ist ihr bewusst – auch wenn sie das Th ema nicht in den Mittelpunkt stellt. „Ich glaube, dass wir starke Rollenvorbilder brauchen – gerade für junge Frauen. Und genau so ein Vorbild möchte ich sein.“I 1313