ning, die das Training gemein- sam mit Polizeihauptkommis- sarin Ronja Engelmann leitet. Einen großen Anteil an dieser Situation hätten die Eltern. Heute würden viele Kinder fast überall mit dem Auto hingefah- ren, schildern die erfahrenen Polizistinnen. „Familien fahren auch nicht mehr so viel gemein- sam Fahrrad.“ Und wenn, dann fahre der Nachwuchs meist stumpf hinter Mama und Papa her. „Kleine Kinder sollten aber eigentlich vor ihren Eltern fah- ren, damit diese im Notfall ein- greifen können“, sagt Böning. Wichtig sei, dass Kinder ler- nen, im Straßenverkehr eigen- ständig zu entscheiden und sich nicht nur auf die Eltern zu ver- lassen. „Wir merken beim Trai- ning, dass das Gefahrenbewusst- sein und das Sicherheitsgefühl bei vielen Kindern noch nicht da sind. Sie gucken nicht richtig, ob ein Auto kommt oder glau- ben, dass sie ganz bestimmt ge- sehen werden und schon nichts passiert“, erklärt Böning. Ge- schwindigkeiten könnten Kin- der aber erst zwischen 10 und Die beiden Polizistinnen raten Eltern, ihre Kinder so früh wie möglich auf das Laufrad zu set- zen. „Das schult den Gleichge- wichtssinn und der Wechsel auf ein normales Fahrrad ist einfa- cher“, sagt Böning. Stützräder dagegen böten falsche Sicher- heit. „Da lehnen sich die Kinder teilweise richtig in die Kurve oder können zum Beispiel an Pfosten oder anderen Hinder- nissen hängenbleiben.“ Zurück ins Rodennest. Mitt- lerweile fahren die Schülerinnen und Schüler in Zweierteams in Richtung Rottkamp, geben ein Handzeichen, ordnen sich in der Fahrbahnmitte ein, halten an, blicken in beide Fahrtrich- tungen und nach hinten – und biegen ab. Böning und Engel- mann korrigieren sofort, wenn mal ein Zwischenschritt verges- sen wurde. Auffällig ist, dass viele der Fahrräder entweder zu klein oder zu groß sind. „Die Kinder können in dieser Phase schnell wachsen und sind dann plötz- lich zu groß für das Fahrrad“, sagt Böning. Ein neues, wirklich „Ich kann mit dem Kind nicht richtig üben, wenn ich zu Fuß bin. Den Autoführerschein haben wir alle ja auch nicht Zuhause im Wohnzimmer gemacht.“ Ronja Engelmann Polizeihauptkommissarin 12 Jahren richtig einschätzen. Umso wichtiger sei es, bestimm- te Situationen immer wieder zu üben. Und dafür müssen auch die Eltern aufs Fahrrad steigen, betonen die Polizistinnen. „Ich kann mit dem Kind nicht richtig üben, wenn ich zu Fuß bin. Den Autoführerschein haben wir alle ja auch nicht Zuhause im Wohnzimmer gemacht“, sagt Engelmann. passendes Modell sollte aller- dings erst nach bestandener Radfahrprüfung angeschafft werden. „Die Kinder sind Jahre lang gewohnt, mit einem ande- ren Rad zu fahren. Dann ausge- rechnet zur Prüfung oder kurz davor umzusteigen, ergibt kei- nen Sinn. Lieber dann nochmal das alte, kleinere Fahrrad fah- ren“, erklärt Engelmann. Grundsätzlich sei es für Kin- der nämlich einfacher, auf einem etwas zu kleinen Fahrrad unter- wegs zu sein, als auf einem zu großen Rad, das dann oft auch noch deutlich schwerer und sperriger sei als das vorherige. „Auf zu großen Rädern sind Kinder viel unsicherer unter- wegs“, so Engelmann. Nach vier Runden Linksab- biegen kommt die Gruppe noch einmal zusammen. Böning und Engelmann erklären ruhig, wo es noch Nachholbedarf gibt und geben letzte Tipps für die Prü- fung am nächsten Morgen. Die Kinder hören zu, fragen nach, berichten von eigenen Erfah- rungen. Am Ende werden sie alle den „Fahrradführerschein“ erhalten. Beim Training haben die bei- den Polizistinnen auch immer wieder die Autofahrer im Blick, die an der Gruppe vorbeifahren. Die seien im normalen Straßen- verkehr, wenn keine unifor- mierten Beamten oder Beam- tinnen dabei sind, das größere Problem, als die mitunter noch ungeübten Kinder. „Autofahrer halten sich viel seltener korrekt an die Verkehrsregeln. Sie neh- men den Kindern teilweise die Vorfahrt oder überholen sie, weil es ihnen nicht schnell genug geht – aber die Kinder sind eben noch nicht so schnell. Als Fahr- anfänger im Auto braucht man ja auch etwas mehr Zeit“, sensi- bilisiert Engelmann. 27 Unfälle im Straßenverkehr, an denen Fahrrad fahrende Kinder beteiligt waren, gab es 2023. Im Jahr 2024 sind es bis- 27 Unfälle im Straßenverkehr, an denen Fahrrad fahrende Kinder beteiligt waren (2023). lang vier. Aber jeder dieser Un- fälle ist einer zu viel, finden die erfahrenen Polizistinnen. Engelmann wünscht sich nicht nur mit Blick auf diese Zahlen mehr Rücksicht für Fahrrad- fahrer allgemein und insbeson- dere für Fahrrad fahrende Kinder. „Bis zu ihrem neunten Lebensjahr dürfen Kinder ja auf dem Gehweg fahren, da- nach müssen sie dann auf einmal auf die Straße. Da müssen sie dann mit dieser neuen Situation erst einmal klarkommen. Das müssen wir alle beachten.“I ONLINE Mehr Informationen der Polizei Hamm auch auf den Social-Media-Kanälen 13