ganz einig. In anderen Punkten nicht immer. VON HAMM IN DIE WELT Der Urgroßvater von Sinah, Fritz Jaspert, war ein Welveraner Bauernsohn, der von der großen weiten Welt träumte. Er schaffte es in die USA und brachte eine faszinierende Innovation mit zurück nach Hamm: Eishörn- chen. 1913 gründete er die Waf- felbäckerei, lieferte die ersten Hörnchen mit dem Fahrrad aus. Doch noch 1978, als Ulf Jaspert den Betrieb in dritter Genera- tion übernahm, meinte sein ßes Interesse galt der Psycholo- gie. Letztlich hat sie es von der Abiturnote abhängig gemacht: Ein Einser – Psychologie, ohne Wartesemester. Ein Zweier – Wirtschaft, in den Betrieb. Es wurde eine 2,0. Die Anteilsstruktur wurde 2022 neu geregelt. Ulf Jaspert war damals 68 Jahre alt, Sinah 27. Seitdem gehört ihr der größte Teil der Firma. „Deswegen muss ich hier immer ganz artig sein“, sagt Ulf Jaspert. Ist er artig? „Nie!“, antwortet Sinah Jaspert prompt. nung. Wir können beide stur sein.“ Und einigen sich dann doch. Um den Übergang zu ge- stalten, führte Sinah Jaspert die Freitagsregel ein. Freitags ist sein freier Tag. Das hat sie durchge- setzt. So übt er das Loslassen, sie die Übernahme von Verant- wortung. „Mir ist es wichtig, langsam zu wachsen. Entschei- dungen zu fällen, ohne mal eben über den Schreibtisch hinweg nachzufragen“, erklärt sie. Die erste Generalprobe haben die beiden im vergangenen Som- mer bestanden: Ulf Jaspert auf Kreuzfahrt, Hamburg bis Nordkap, 13 Tage, mitten in der Saison, zeitweise ohne Handy- Empfang. Es hat hervorragend geklappt. Und Ulf Jaspert ist stolz darauf. „WEICH UND VORSICHTIG“ Sinah Jasperts erste große ei- gene Entscheidung war hand- fest: eine neue sechsspurige Backmaschine. Der Grund klingt banal: Sechs Spuren ent- sprechen genau sechs Reihen in einer Lage im Karton. Es zeigt aber, wie sie denkt – aus der Perspektive der Mitarbeiterin- nen. Denn beim Verpacken, dem aufwendigsten und körper- lich intensivsten Arbeitsschritt, macht das einen großen Unter- schied. Roboter? „Kommt nicht in Frage. Menschliche Hände können so weich und vorsichtig sein. Das kann keine Maschine ersetzen.“ Auch die neueste Er- rungenschaft kommt bei der Belegschaft gut an: eine professi- onelle Eismaschine. An heißen Tagen gibt es Eis in eigenen Waf- feln. „Da wäre ich gar nicht drauf gekommen“, sagt Ulf Jas- pert. Wann er endgültig geht? Sinah Jaspert antwortet an seiner Stelle: „Wenn ich die Schlösser austausche.“I Vater Wolfgang Jaspert: „Nach Berlin brauchen wir nicht zu liefern, ist viel zu weit.“ Ulf Jas- pert sah das anders. Erster Aus- landsmarkt: die Niederlande, direkt vor der Haustür, näher als Bayern. Dann Frankreich, die Schweiz, Italien. Heute wird etwa die Hälfte des Umsatzes im europäischen Ausland er- wirtschaftet. Dass Sinah Jaspert einmal den Betrieb übernimmt, war nicht selbstverständlich. Sinahs gro- VATER UND TOCHTER GEMEINSAM Im Duo ergänzen Vater und Tochter einander: Sie studierte International Business Studies und schrieb ihre Abschluss- arbeit am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie, er bringt jahrzehntelange Bran- chenkenntnisse mit, ein Ge- spür für jeden Kunden und für Preisspannen. „Auf der einen Seite Erfahrung, auf der an- deren neue Ideen. Manchmal sind wir unterschiedlicher Mei- 18